Worum geht es ?
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| Auf dieser Seite geht es um Kristallstrukturen von binären Verbindungen. Sie bestehen aus 2 Sorten von Atomen oder Ionen. |
Kugeln einer Art möglichst dicht zu packen, ist einfach. Man erhält dichteste Kugelpackungen. Aber was tut man, wenn man 2 Arten von Kugeln hat ? Die Kugeln stehen für verschiedene Sorten von Atomen oder Ionen. Manchmal sind sie von ähnlicher, oft aber von unterschiedlicher Größe, und meist haben sie unterschiedliche Ladung. In vielen Fällen sind gleichviele Kugeln von jeder Sorte vorhanden, oft überwiegt aber die eine Sorte. Solche Verhältnisse findet man oft in Salzen oder in Metalloxiden, aber auch in anderen Verbindungen.
Die Natur hat viele Möglichkeiten solcher Packungen realisiert. Jede steht für einen Strukturtyp.
Die häufige Packungsart
Die Kugeln sind, von seltenen Ausnahmen abgesehen, geladen. Es sind also positiv und negativ geladene Ionen. Die Ionen haben unterschiedliche Größe. Meist sind die positiv geladenen Ionen (es sind immer Metallionen) deutlich kleiner als die negativ geladenen Ionen (oft Ionen von Halogenen oder Chalkogenen). Die Zahl der positiv geladenen und der negativ geladenen Ionen kann gleich, aber genauso gut auch unterschiedlich sein.
So verschieden die Voraussetzungen des vorigen Absatzes sind, so einheitlich ist doch der Weg, den die Natur gegangen ist, in jeder Verbindung die beteiligten Ionen geschickt zu packen.
Die Ionen sollen nicht nur insgesamt möglichst dicht gepackt werden, sondern es sollen sich auch gleichartig geladene Ionen nicht berühren, denn sie stoßen sich ab. Vielmehr soll jedes positiv geladene Ion von möglichst vielen negativ geladenen Ionen umgeben sein, und umgekehrt.
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| Die negativ geladenen Ionen (rot) berühren einander. |
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| Die negativ geladenen Ionen (blau) weiten die Lücken auf. Nur noch entgegengesetzt geladene Ionen berühren sich. |
Die Ionen der einen Sorte bilden eine dichteste Kugelpackung (hexagonal oder kubisch). Die Ionen der anderen Sorte besetzen Lücken der Packung. Das können Tetraederlücken, Oktaederlücken oder beide sein. Die Lücken können vollständig besetzt sein, oder nur zur Hälfte, einem Drittel oder einem anderen Bruchteil.
Wenn es heißt, die positiv geladenen Ionen besetzen Lücken in einer dichtesten Kugelpackung, denken die meisten Menschen im ersten Augenblick, die positiv geladenen Ionen müssten ziemlich klein sein, denn sie müssen ja in die Lücken hineinpassen. Ein zweidimensionales Beispiel (Bilder rechts) soll diese Vorstellung illustrieren.
Betrachtet man die obere Zeichnung etwas länger, sieht man, dass es so nicht geht. Die negativ geladenen Ionen berühren einander. Sie müssen auseinanderrücken. Man sagt, die Packung der negativ geladenen Ionen wird aufgeweitet. Wenn Sie sich das untere Bild ansehen, erkennen Sie, dass die negativ geladenen Ionen immer noch dieselbe gegenseitige Lage haben, aber nur noch positiv geladen Ionen berühren. Genauso berühren die positiv geladenen Ionen nur negativ geladene.
Die Ionen in den Tetraeder oder Oktaederlücken müssen also größer sein als diese Lücken. Nennen wir den Radius der packenden Ionen rp. Dann muss der Radius der Ionen in den Tetraederlücken größer als 0,2247 ∗ rp sein, und der Radius der Ionen in den Oktaederlücken größer als 0,4142 ∗ rp.
Die Packungsidee Besetzung von Lücken in einer dichtesten Kugelpackung wird zum Beispiel in diesen Strukturtypen realisiert.
Strukturtypen, die sich von der hexagonaldichtesten Kugelpackung ableiten
| Name des Strukturtyps |
Die packenden Ionen Sie bilden die Kugelpackung. |
Die Ionen in den Lücken |
Art der Lückenbelegung |
| FeSTyp | S2 | Fe2+ | alle oktaedrischen Lücken |
| KorundTyp | O2 | Al3+ | zwei Drittel der oktaedrischen Lücken |
| CdI2Typ | I | Cd2+ | die Hälfte der oktaedrischen Lücken |
| BiI3Typ | I | Bi3+ | ein Drittel der oktaedrischen Lücken |
| WurtzitTyp | S2 | Zn2+ | die Hälfte der tetraedrischen Lücken |
Strukturtypen, die sich von der kubischdichtesten Kugelpackung ableiten
| Name des Strukturtyps |
Die packenden Ionen Sie bilden die Kugelpackung. |
Die Ionen in den Lücken |
Art der Lückenbelegung |
| MgOTyp | O2 | Mg2+ | alle oktaedrischen Lücken |
| CdCl2Typ | Cl | Cd2+ | die Hälfte der oktaedrischen Lücken |
| CrCl3Typ | Cl | Cr3+ | ein Drittel der oktaedrischen Lücken |
| CaF2Typ | Ca2+ | F | alle tetraedrischen Lücken |
| Li2OTyp | O2 | Li+ | alle tetraedrischen Lücken |
| ZinkblendeTyp | S2 | Zn2+ | die Hälfte der tetraedrischen Lücken |
| Li3BiTyp | Bi | Li | alle oktaedrischen und alle tetraedrischen Lücken |
Die nicht so aufregende Packung
Eigentlich ist es eine ziemlich langweilige Sache. Alle Kugeln sind ungeladen, es sind also Atome. Alle Kugeln haben, zumindest ungefähr, die gleiche Größe. Wieviele von der einen und wieviele von der anderen Sorte vorhanden sind, ist egal.
Am einfachsten stellen Sie es sich so vor, dass die Atome der einen Sorte eine dichteste Kugelpackung (hexagonal oder kubisch) bilden. Dann ersetzen Sie in Gedanken einige (ganz wenige oder manche oder viele oder fast alle, ganz wie Sie wollen) dieser Atome durch Atome der anderen Sorte, völlig zufällig und regellos. Es ist, als ob in einer Apfelkiste rote und grüne Äpfel zufällig verteilt liegen.
Man nennt diese Art der Packung eine ungeordnete Legierung. Ein Beispiel ist die Legierung aus Silber und Gold, ein anderes Antimon und Wismut.
Die anderen Packungen
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